Gender through technology

Journal issue, 15. September 2021.

Call for Papers

Gender through technology

Das Verhältnis von Technik und Gender ist in den vergangenen Jahren auf wachsendes Interesse der Forschung gestossen. Wie die Soziologin Judy Wajcman hervorgehoben hat, haben Prozesse der Technisierung und Digitalisierung dabei nicht nur Einfluss auf Geschlechter- und Machtverhältnisse, sondern erzeugen eine historisch wirksame Reziprozität zwischen Technologie und Geschlecht: Technik ist dabei sowohl als Ursache als auch Konsequenz der Transformation von Geschlechterbeziehungen beschreibbar.[1]

Im frühen 20. Jahrhundert entstehen so neue Berufsbilder wie die Stenotypistin, die Sekretärin und die Telefonistin, bei denen Technologien Arbeit geschlechterspezifisch strukturieren. Gegenwärtig ist eine Genderisierung technologischer Artefakte u.a. an den digitalen Betriebssystemen “Siri” und “Alexa” wahrnehmbar, die mit weiblichen Stimmen ausgestattet sind und an das die tradierte Rollenschema anzuknüpfen scheinen.

In den Theorien von Michel Foucault über Judith Butler bis hin zu Teresa de Lauretis besteht weitgehend Konsens darüber, dass Geschlecht keine Eigenschaft des Körpers oder etwas ursprünglich Existierendes ist, sondern gleichzeitig Prozess und Ergebnis einer Reihe von sozialen Technologien.[2] Entsprechend zahlreich sind kulturwissenschaftlich und intermedial ausgerichtete Studien, die aktuell von Geschlechterkonzeptionen im literarischen Technikdiskurs bis zu Analysen von Serien und Filmen wie Westworld, Ex Machina oder Her reichen.[3]

Das Themenheft „Gender through technology“ des komparatistischen Journals variations soll die Bedeutung geschlechtlicher Identität und stereotyper Rollenzuschreibungen im Technikdiskurs in den Blick nehmen und dabei ebenso kulturwissenschaftliche Ansätze wie Film- und Literaturanalysen berücksichtigen. Abstracts im Umfang von 300 - 400 Wörter können bis zum 15. September 2021 auf Deutsch, Französisch und Englisch eingereicht werden. Die fertigen Beiträge im Umfang von 10 - 15 Seiten werden in einem zweiten Schritt bis Ende Januar 2022 erwartet. 

Abstracts: 15. September 2021
Manuskripteinreichung: variations@rom.uzh.ch
Peer Review: Die Beiträge werden im double-blind-Verfahren begutachtet.
Verlag: Winter Verlag (Heidelberg)

Mögliche Themenfelder (die Liste ist nicht erschöpfend):

    Cyberfeminismus, GlitchFeminismus
    Zukunftsentwürfe in Literatur und Film (Technikutopien/ -dystopien), Science Fiction, Videoinstallationen etc.
    Sprache und Stimme (z.B. Sprachdienste)
    Intersektionalität: Gender, Race und Technologie
    Raum/Architektur     

[1] Vgl. Judy Wajcman: TechnoFeminism. Polity Press: Cambridge 2004, S. 7.
[2] Vgl. Teresa de Lauretis: Die Technologie des Geschlechts. In: Medien & Gender Reader. Hrsg.: Kathrin Peters, Andrea Seier, diaphanes: Zürich-Berlin 2016, S. 453 - 473.
[3] Vgl. Berscheid, Anna-Lena, Ilona Horwath und Birgitt Riegraf: “Cyborgs Revisited: zur Verbindung von Geschlecht, Technologien und Maschinen.” Feministische Studien. Berlin: De Gruyter, 2019; Durham, Meenakshi Gigi. Technosex: Precarious Corporealities, Mediated Sexualities, and the Ethics of Embodied Technics. Cham: Springer International Publishing, 2016; Hester, Helen, and Armen Avanessian. Dea ex machina. Berlin: Merve Verlag, 2015; Brackin, Adam L., und Natacha Guyot: Stories in Post-Human Cultures. Leiden/Boston: BRILL, 2013.