Der Deutsch-Französische Krieg in populären Medien

Journal issue, 15. January 2021.

Call for Papers

Non Fiktion, Heft 2/2021
1870/71. Der Deutsch-Französische Krieg in populären Medien
Herausgegeben von Christian Meierhofer und Michael Schikowski

Das Heft 2/2021 von Non Fiktion widmet sich dem Deutsch-Französischen Krieg im 150. Gedenkjahr. Gezielt wird dabei vor allem auf die bewusstseins- und diskurshistorischen Voraussetzungen und auf die Praktiken der literarischen und medialen Hervorbringung der Ereignisse von 1870/71. Ebenso von Interesse ist die Repräsentation der deutschen Reichsgründung als eine Zielvorstellung, die Vergangenheit strukturiert und kulturgeschichtliche Entwicklungsnarrative ermöglicht.

Die Geschichtswissenschaft hat neben der historischen Kontinuität der ‚Einigungskriege‘ auch die „Medien der Kriegsdarstellung als Quellen einer Ideen- und Wahrnehmungsgeschichte des Krieges“ (Becker 2001, S. 39) mindestens panoramatisch entfaltet. Nicht zuletzt durch die aktuellen Darstellungen u.a. von Tobias Arand, Klaus-Jürgen Bremm, Michael Epkenhans oder Mareike König und Élise Julien stehen der Krieg und die Reichsgründung ebenso wie die deutsch-französische Zeitzeugen- und Verflechtungsgeschichte deutlich im Fokus der Forschung.

Demgegenüber sind die „Unzahl von Situationsdarstellungen, Beobachtungen, Skizzen, Notizen“ (Althaus 2018, S. 297) mit ihren textuellen Verbreitungs- und öffentlichen Deutungsverfahren aus literatur-, medien- und buchwissenschaftlicher Sicht weitaus weniger erfasst. So stehen Erlebnisberichte und publizistische Eingaben von bekannten Autoren wie Theodor Fontanes Kriegsgefangen oder Gustav Freytags Kriegsbriefen der Grenzboten neben autobiographischen Reflexionen wie Bismarcks Briefen an seine Gattin, an denen noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts die „Vermittlungsleistungen des Bismarck-Mythos“ (Parr 1992, S. 55) ersichtlich werden. Zu berücksichtigen sind außerdem eine Vielzahl an unbeachteten, mitunter illustrierten Erinnerungs- und Gedenkbüchern sowie die journalistische Verarbeitung des Krieges in diversen Zeitschriften und Journalen, wie etwa die Kriegsgedichte in der Gartenlaube. Schließlich wäre zu klären, ob und welche Gattungsdispositionen und nationalliterarischen Programme vor dem Hintergrund der Reichsgründung neu verhandelt werden. Nicht zuletzt beginnt 1871 ein Unternehmen wie der Deutsche Novellenschatz, der sich recht klar gegen die Romantradition der Franzosen und Engländer stellt.

Das Heft von Non Fiktion knüpft thematisch an die frühere Ausgabe „Materialschlacht. Der Erste Weltkrieg im Sachbuch“ (2013/14) an und fragt insbesondere nach:

–   der weltanschaulichen Fundierung vor, während und nach dem historischen Ereignis des Deutsch-Französischen Krieges und der Reichsgründung;
–   den Übergängen von literarischen, publizistischen und dokumentarischen Darstellungsstrategien und Verfahrensweisen;
–   dem Stellenwert populärer wie auch visueller Medien (z.B. Sachbücher, Zeitschriften, Journale, Illustrierte, Bildbände, Film);
–   der vor- und nachgängigen Verhandlung des Krieges als ein medial konstituiertes Ereignis im Prozess der Moderne.

Wir erbitten literatur-, medien-, buch- oder geschichtswissenschaftliche Themenvorschläge und ein kurzes Abstract für einen etwa 20-seitigen Aufsatz bis zum 15.1.2021 an meierhofer@uni-bonn.de und schikowski@immerschoensachlich.de. Die fertigen Beiträge sollen bis zum 30.6.2021 bei den Herausgebern eingereicht werden.

Zitierte Literatur
- Althaus, Thomas: Kriegsbilder 1870–1871. Die Malerische Reise des Ludwig Pietsch Von Berlin bis Paris in den Deutsch-Französischen Krieg. In: Darstellungsoptik. Bild-Erfassung und Bilderfülle in der Prosa des 19. Jahrhunderts. Hrsg. v. dems. Bielefeld 2018, S. 297–348.
- Becker, Frank: Bilder von Krieg und Nation. Die Einigungskriege in der bürgerlichen Öffentlichkeit Deutschlands 1864–1913. München 2001.
- Parr, Rolf: „Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust“. Strukturen und Funktionen der Mythisierung Bismarcks (1860–1918). München 1992.