Kino, Krieg und Tulpen. Deutsch-Niederländische Filmbeziehungen - 33. Internationaler Filmhistorischer Kongress

Hamburg, 20.-22. November 2020

Veranstalter: CineGraph - Hamburgisches Centrum für Filmforschung e.V. und Bundesarchiv in Zusammenarbeit mit dem Kommunalen Kino Metropolis (cinefest - Internationales Festival des deutschen Film-Erbes)

Ausrichter: cinefest - Internationales Festival des deutschen Film-Erbes

Gefördert durch Behörde für Kultur und Medien der Freien und Hansestadt Hamburg
20.11.2020 - 22.11.2020

33. Internationaler Filmhistorischer Kongress: Kino, Krieg und Tulpen. Deutsch-Niederländische Beziehungen

Wenn es um Fußball geht, gelten die Niederlande und Deutschland als alte Stamm-Rivalen, doch filmwissenschaftlich wurden die Nachbarn bisher selten zusammen betrachtet. Wenn es um Fußball geht, gelten die Niederlande und Deutschland als alte Stamm-Rivalen, doch filmwissenschaftlich wurden die Nachbarn bisher selten zusammen betrachtet. Dabei lohnt sich der Blick auf die Gemeinsamkeiten in der Filmgeschichte, sowohl auf der Produktions-, Personal- sowie der Rezeptionsebene.

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33. Internantionaler Filmhistorischer Kongress: Kino, Krieg und Tulpen. Deutsch-Niederländsiche Filmbeziehungen

Wenn es um Fußball geht, gelten die Niederlande und Deutschland als alte Stamm-Rivalen, doch filmwissenschaftlich wurden die Nachbarn bisher selten zusammen betrachtet. Dabei lohnt sich der Blick auf die Gemeinsamkeiten in der Filmgeschichte, sowohl auf der Produktions-, Personal- sowie der Rezeptionsebene. Die gegenseitige Darstellung, zwischen Klischees und Realität, ist ein wichtiger Bestandteil des XVII. cinefest – Internationalen Festival des Deutschen Film-Erbes.

Bereits in den 1910er Jahren waren deutsche Filme in Holland populär, so sind durch die Sammlung des Verleihers Jean Desmet im EYE Filmmuseum viele Kopien des frühen deutschen Kinos erhalten. Dank der Filmsammlung von Huis Doorn haben wir z.B. ein detaillierteres Bild von der Exilzeit von Kaiser Wilhelm II. Zwischen den Avantgarde- und Dokumentarfilmern in Berlin und Amsterdam bestanden enge Kontakte (Joris Ivens, Hans Richter, Walther Ruttmann).

In den 1920er und 30er Jahren arbeiteten niederländische Filmschaffende in deutschen Ateliers oder stellten deutsch-niederländische Coproduktionen her. Populäre deutsche Filmstars wie Adele Sandrock, Lil Dagover und Ilse Werner stammen aus den Niederlanden bzw. deren Kolonien. So manche Holländer tummelten sich in den Studios in Berlin und Babelsberg (Truus van Aalten, Johannes Heesters, Lien Deyers, Frits van Dongen). Für einige Filmschaffende war Amsterdam eine erste Exil-Station, so z.B. für Richard Oswald mit BLEEKE BET, Hermann Kosterlitz mit DE KRIBBEBIJTER sowie Detlef Sierck mit BOEFJE. Die Filme entstanden zumeist in den Cinetone Studios (aus denen im Krieg die Ufa Filmstadt Amsterdam wurde). Ludwig Berger drehte mit ERGENS IN NEDERLAND – einen Monat vor der deutschen Invasion 1940 fertiggestellt – einen der besten niederländischen Filme und überlebte die deutsche Besatzungszeit in Amsterdam. Der deutsche Produzent Rudi Meyer war zwischen den 1930er und 60er Jahren eine Schlüsselfigur in der niederländischen Filmproduktion.

Ein spannender Aspekt, der beim Festival untersucht werden soll, sind auch die Beziehungen zur tschechoslowakischen Filmproduktion. Während des Zweiten Weltkriegs wurde von Hitler und Goebbels versucht, eine deutsche Trickfilmproduktion aufzubauen. Zu den Hauptbeteiligten (Personal & Studios) dienten Fachleute der Prag-Film und den Niederlanden.

Nach dem Krieg waren die Ereignisse unter der deutschen Besatzung natürlich Thema zahlreicher Spielfilme, wobei sich die Darstellung mit den Jahren durchaus differenzierte.

Einige wichtige Akteure beim Neuen Deutschen Film ab den 1960er Jahren waren Niederländer, so u.a. die Produzenten Rob Houwer und Laurens Straub, die Kameraleute Robby Müller und Gérard Vandenberg. Stars wie Renée Soutendijk und Chiem van Houweninge wurden im deutschen Film und Fernsehen populär. Auch in der DDR arbeiteten niederländische Filmschaffende wie die Dokumentaristen Joris Ivens und Joop Huisken sowie die Schauspielerin Cox Habbema.

Der 33. Internationale Filmhistorische Kongress ist integraler Teil des cinefest und vertieft die Themen des Festivals in Vorträgen und Diskussionen. Er wird am Abend des 19.11.2020 im Metropolis-Kino eröffnet. Während der Veranstaltung werden auch die Willy Haas-Preise für eine bedeutende internationale Publikation (Buch und DVD) verliehen. Die Vorträge des Kongresses finden vom 20.-22.11.2020, jeweils von 9:30 – 16:00 Uhr, im Kommunalen Kino Metropolis statt.

Die Vorträge sind auf ca. 20 Minuten angesetzt und werden anschließend im Plenum diskutiert. Die Konferenzsprachen sind Deutsch oder Englisch (es gibt keine Live-Übersetzung).

Aufgrund der Einschränkungen durch die Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus planen wir dieses Jahr für den Kongress auch eine Teilnahme über Live-Streaming anzubieten.

Im Anschluss an den Kongress werden die überarbeiteten Vorträge in einem Buch veröffentlicht, das im Herbst 2021 bei edition text+kritk erscheint.

Für die Teilnahme am Kongress ist eine vorherige Akkreditierung notwendig: https://cinefest.de/akkreditierung/

Informationen zum begleitenden Filmprogramm: https://cinefest.de/programm/filme/

Weitere Informationen zu Kongress und Festival: https://cinefest.de

PROGRAMM

Donnerstag, 19. November 2020
16:30
REKLAME AUS HOLLAND. Trick- und andere Werbefilme 1953-79
vorgestellt von Leenke Ripmeester

19:00
Kongress-Eröffnung mit Verleihung der Willy Haas-Preise
Eröffnungsfilm:
DE KRIBBEBIJTER (Der greisgram)
NL 1935. Regie: Hermann Kosterlitz, Ernst Winar. 90 min. OmU

Freitag, 20. November 2020

09:30
Begrüßung

09:45 - 10:15
Ivo Blom, Amsterdam: Key Note

10:45 - 11:30
PANEL 1: AVANTGARDE
Thomas Tode, Hamburg: Das Licht Hollands. Von Landschaftsmalern, Naturdokumentaristen und geborenen Internationalisten. Austauschprozesse zwischen niederländischer und deutscher Filmavantgarde

12:00 - 16:00
PANEL 2: PRODUKTION & DISTRIBUTION

12:00 - 12:45
Rommy Albers, Amsterdam: Haro van Peski - zwischen Berlin und Amsterdam

14:00 - 14:45
Annette Schulz, Amsterdam: Rudi Meyer - eine Bank!?

15.15 - 16:00
André van der Velden, Utrecht: Luxor, Rembrandt und Asta: drei Ufa-Kinopaläste in den Niederlanden, 1918-1944

Samstag, 21. November 2020

09:30 - 11:20
PANEL 3: NATIONALSOZIALISMUS

09:30 - 10:15
Evelyn Hampicke, Berlin: Drehte für Deutschland - Frits van Dongen, ein Niederländer in Harlans Filmen VERWEHTE SPUREN und DIE REISE NACH TILSIT

10:35 - 11:20
Timur Sijaric, Wien: Appropriating a Dutch Myth, Germanizing History. Film music and Genius’ Cult in REMBRANDT (1941/1942)

11:40 - 12:05
PANEL 4: NIEDERLANDE ALS EXIL
Kathinka Dittrich van Weringh, Köln: Der niederländische Spielfilm der dreißiger Jahre und die deutsche Filmemigration

12:15 - 12:45
Präsentation Eye Filmmuseum

14:00 - 16:00
PANEL 5: NACHKRIEG & VERGANGENHEITSBEWÄLTIGUNG

14:00 - 14:55
Tobias Temming, Münster: Selbstbild und Fremdbild im niederländischen Kriegsfilm 1948 bis 1962

15:15 - 16:00
Katja S. Baumgärtner, Berlin: "Der Film beginnt ohne Musik – auf der Leinwand erscheint das Portraitfoto eines weiblichen Häftlings" – Joop Huisken, Renate Drescher und der Film über das Frauenkonzentrationslager Ravensbrück

Sonntag, 22. November 2020

09:30 - 12:45
PANEL 6: DOKUMENTARFILM

09:30 - 10:15
Anke Steinborn, Frankfurt/Oder: Maler des Lichts. Bert Haanstra zwischen niederländischer Klassik und deutscher Avantgarde

10:35 - 11:20
Karl Griep, Berlin: Das Bild der Niederlande in den Periodikafilmen der Deutschen Wochenschau GmbH (DW)

12:00 - 12:45
Anna Schober-de Graaf, Klagenfurt: Doubles for everyone: Transit characters as tactics for involving the public in Dutch documentaries since the 1960s.

14:00 - 14:45
PANEL 7: NEUER DEUTSCHER FILM
Michael Töteberg, Hamburg: Kopf und Bauch. Rob Houwer und Lautens Straub helfen dem Neuen deutschen Film auf die Beine

15:15 - 16:00.
Abschlussdiskussion

Kontakt

Erika Wottrich
Swenja Schiemann

CineGraph - Hamburgisches Centrum für Filmforschung e.V.
+49-(0)40-352194
+49-(0)40-345864
kongress@cinegraph.de
https://cinefest.de