Der Virus im Netz medialer Diskurse. Zur Rolle der Medien in der Corona-Krise

Ed. collection, 30. June 2020.

Die Corona-Krise dominiert seit spätestens März 2020 die mediale Berichterstattung und die Kommunikationen in den Social Media. Sie gewinnt durch die Medien eine beunruhigende Präsenz, der sich niemand entziehen kann. Neben Presse und Radio war es in den ersten Monaten vor allem die Berichterstattung des Fernsehens über die Ausbreitung und die Brennpunkte der Pandemie, die die öffentliche Meinung prägte. Sie hat zur Akzeptanz der Freiheitsbeschränkungen in der Bevölkerung in der Phase des ‚Lockdowns‘ erheblich beigetragen. Kritik an der Einschränkung demokratischer Grundrechte trat dabei zunächst in den Hintergrund. Vielfältiger sind die Informationen und Meinungsbilder in den Social Media, die zwischen Dramatisierung und Verharmlosung der Pandemie oszillieren und der Verbreitung von Fake News, Verschwörungstheorien und rechtsradikaler Propaganda ein weites Feld bieten. In der derzeitigen Phase der Exit-Maßnahmen differenzieren sich die medialen Strategien im Spannungsfeld von strenger Reglementierung und rascher Lockerung der staatlich verordneten Restriktionen, die weite Bereiche des gesellschaftlichen Lebens und der Wirtschaft lahmgelegt haben. Dabei spielt die öffentliche Diskussion um die schrittweise Rücknahme der Restriktionen und um begleitende staatliche Überwachungsmaßnahmen wie die Maskenpflicht und die ‚Handy-App‘, die Algorithmen zu mächtigen Wächtern gesellschaftlicher und privater Kontakte machen, eine wichtige Rolle.

Aufgrund der Medialität des Virus und der kontroversen Diskurse der Krise planen wir eine Buchpublikation, in der die komplexen und heterogenen Aspekte der medialen Präsentation der Pandemie dokumentiert und analysiert werden. Das Buch sollte etwa 10 bis 15 Beiträge von 10 bis 15 Seiten (à 1800 Zeichen) von Autor*innen der Gesellschaft für Medienwissenschaft enthalten. Deadline für die Zusendung der Manuskripte ist der 28.02.2021. Herausgeber*innen sind Prof. Dr. Angela Krewani (Universität Marburg / Medienwissenschaft) und Privatdozent Dr. Peter Zimmermann (www.dasmedienbuero.de).

Interessierte Kolleg*innen bitten wir um die Zusendung kurzer Exposees von max. 300 Wörtern zu dem jeweils gewählten Thema bis zum 30.06.2020 an: Krewani@uni-marburg.de.

Einige Themenvorschläge:
-  Geschichte der Seuchendiskurse / Chronologie der Corona-Pandemie
-  Wandel der Krisenberichterstattung (Terror, Flucht, Klima, Virus)
-  Mediale Diskurse im Zeichen des ‚Lockdown‘
-  Leitbilder der Medien: Die Stunde der Virologen und der Exekutive
-  Kritik an der Einschränkung demokratischer Grundrechte.
-  Die Debatte um die Exit-Strategien: trial and error, stop and go
-  Rhetorik der Krise: zwischen Kriegs-Metaphorik und ‚Exit-Diskussions-Orgien‘
-  Visualisierung der Krise: Die Macht der (Schock-)Bilder und Grafiken
-  Gender Aspekte: Rückkehr traditioneller Rollenmuster in Talkshows und Home-Office
-  Fernseh-Satire und Pandemie-Bekämpfung: „Maske auf – Maul halten!“
-  Social Media und die Verbreitung von Verschwörungstheorien und Fake News
-  Virale Kommunikation: YouTube, Memes, WhatsApp etc.
-  Dokumentarische, fiktionale und künstlerische Reaktionen auf die Pandemie
-  Going Digital: Home-Office, Lehre und Kulturveranstaltungen via Internet