Kapitalisierung von unten - Gemeinsamer Workshop der AG Daten und Netzwerke und AG Medienindustrien

Halle a.d.Saale, Germany (5.-6.11.2020), 30. June 2020.

Arbeit in und mit Medien der Massenkommunikation wird in der medienwissenschaftlichen Forschung vielfach in Form von Kapitalismus-Analysen thematisiert. Oft verfährt die Forschung dabei argumentativ von oben nach unten: von Makro zu Mikro, Strukturen zu Prozessen, Techniken zu Akteuren, Begriffen zu Methoden; von Fragen des „Überwachungskapitalismus“, „Plattformkapitalismus“, der „Plattformisierung“ über verschiedene Spielarten von „New Work“ und Datenarbeit hin zu den Clickworkern und digital janitors; von politökonomischen Theorien zur digitalen Ethnographie. Das Phänomen der Arbeit steht dabei gleichsam als verbindendes zwischen den übergeordneten Fragen und den von unten permanent neu beobachtbaren Fällen oder Selbstzeugnissen, woraus sich die große Zahl an Begriffsprägungen erklären mag.

Der Themenkomplex wird bereits von verschiedensten Seiten bearbeitet. So wurden etwa relativ früh aus operaistischer Perspektive gedachte Begriffe der immateriellen Arbeit auf die Digitalisierung angewendet. Neben diesen und anderen marxistischen Theorieangeboten finden sich (post-)libertäre Ideen digitaler Arbeit ebenso wie ökonomische Begriffe fiktiver Waren, Commons oder Allmende. An Konzepten zu „labour“ herrscht kein Mangel: von „free“, „invisible“, „affective“, „emotional“, „aspirational“, „speculative“, „relational“, „digital“ und „platform labor“ über „liquid media work“, „venture“ oder „hope labor“ zur „playbour“, „microwork“ und den „bullshit jobs“.

Viele dieser Begriffe versuchen zu thematisieren, dass wir es mit neuen Formen der Kapitalisierung zu tun haben. Was aber ist Kapitalisierung aus Akteurs- und device- Perspektive? Wie werden Dinge und Handlungen kapitalisiert? Unser diesjähriger Workshop soll die bekannten theoretischen und begrifflichen Zugänge ergänzen und erweitern, durch einen Blick ins „Kleine“ und eine Perspektive von unten: Welche konkreten Praktiken und Prozesse spielen sich bei dem ab, was wir Kapitalisierung nennen? Durch welche Infrastrukturen, Medien und Organisationsformen werden diese bedingt? Welche sozio- kulturellen Vorstellungen, Zwänge oder Erfordernisse spielen hier eine Rolle? Wie verschieben sich damit bestehende Industrien?

Wir freuen uns über Einreichungen (max. 1-seitiges Abstract) bis zum 30.6.2020 an eva-maria.nyckel@hu-berlin.de, tobias.matzner@uni-paderborn.de oder patrick.vonderau@medienkomm.uni-halle.de