Ambige Verhältnisse: Uneindeutigkeiten in Kultur, Politik und Alltag

Jena, Germany, 12.-14. September 2018

Interdisziplinäres Symposium, 12.-14. September 2018, Friedrich-Schiller-Universität Jena

Ambivalenzen, Mehrdeutigkeit und Vagheit begegnen in allen Bereichen des menschlichen Lebens. Mit Maurice Merleau-Ponty kann man Ambiguität (hier als Oberbegriff für diese Erscheinungen verwendet) als fundamentale Eigenschaft des Leibes, der Sprache und des Bewusstseins betrachten. Zugleich scheinen Ambiguitäten in heutigen westlichen Gesellschaften zuzunehmen – sei es im Zuge der Pluralisierung von Lebensformen, Werthaltungen und Identitätskonzepten, sei es infolge der „Ästhetisierung der Lebenswelt“ (Rüdiger Bubner). Dabei wird Ambiguität sehr unterschiedlich bewertet: Im kulturellen Feld meist als positives Charakteristikum des Ästhetischen wertgeschätzt, wird sie in anderen Lebensbereichen häufig als problematisch und überfordernd erlebt. Rechtspopulisten beuten die Angst davor aus und geben mit simplen Dichotomien vor, Ambiguität bekämpfen zu können. Zugleich agieren sie selbst hochgradig ambig, wenn sie sich etwa vom Nationalsozialismus distanzieren und ihn zugleich verharmlosen. Engagierte Künstler wiederum setzen Ambiguität gezielt ein, um gesellschaftliche Konflikte zu dynamisieren. Dieser ‚Ambiguität der Ambiguität‘ widmet sich die Tagung aus den Perspektiven der Filmwissenschaft, Kunstgeschichte, Literaturwissenschaft, Medienwissenschaft, Philosophie, Politikwissenschaft, Psychologie, Soziologie und Theologie. Ambige Phänomene in Kultur, Politik und Alltag werden in exemplarischen Fallstudien beleuchtet. Ziele der Tagung sind es, genauere Erkenntnisse über die Bedingungen, Potenziale und Grenzen von Ambiguität zu gewinnen und zu einem besseren Verständnis von ambiguitätsbedingten inner- und interkulturellen Konflikten beizutragen.

Mittwoch 12. September 2018

13:00 Begrüßung und Einführung: Prof. Dr. Verena Krieger (Jena)

Sektion I: Kultur/Alltag

13:30 Einführung: Prof. Dr. Michael Lüthy (Weimar)

14:00 Dr. Dirck Linck (Berlin): Zum Streit um den Genuss des Ungenießbaren in der Popkultur

15:00 Kaffeepause

15:30 Prof. Dr. Hedwig Wagner (Flensburg): ‚Unterschichtenfernsehen‘ als Exzess und Unterschreitung von Ästhetik?

16:30 Johannes Lang (Weimar): Strategien der Uneindeutigkeit im Produktdesign

17:30 Pause

18:00 Dr. Thomas Schmidt (Jena): Ambiguität und doppelte Welten in Literaturverfilmungen

19:00 Kommentar: Prof. Dr. Nina Birkner (Jena) / SchlussdiskussionDonnerstag 13. September 2018

Sektion II: Alltag/Politik

09:00 Einführung: Prof. Dr. Verena Krieger (Jena)

09:30 Prof. Dr. Bernhard Groß (Jena): Ambiguitäten des Alltags im Film

10:30 Kaffeepause

11:00 Prof. Dr. Silke van Dyk (Jena): Ambiguität der Gerechtigkeit

12:00 Dr. Matthias Quent (Jena): Ambiguität und die radikale populistische Rechte

13:00 Mittagspause

14:30 Prof. Dr. Bernhard Strauß (Jena): Identität und Ambivalenz

15:30 Prof. Dr. Kurt Lüscher (Bern): Ambivalenzen – eine systematisch-pragmatische Annäherung

16:30 Kaffeepause

17:00 Kommentar: Prof. Dr. Tilman Reitz (Jena) / Schlussdiskussion

18:00 Pause

18:30 Abendvortrag Dr. Philipp Ruch (Berlin): Schusswunden der Wirklichkeit: Politische Ambivalenz in den Aktionen des Zentrums für Politische Schönheit

Freitag 14. September

Sektion III Politik/Kultur

09:00 Einführung: Prof. Dr. Andrea Meyer-Fraatz (Jena)

09:30 Prof. Dr. Sylka Scholz (Jena): Ambiguitäten in der kulturellen Zweigeschlechtlichkeit

10:30 Kaffeepause

11:00 Prof. Dr. Cornelia Klinger (Hamburg): Dualismenbildung als riskante Strategie zur Überwindung von Ambiguität in der westlichen Kultur

12:00 Dr. Andreas Cremonini (Basel): Philosophie als Erziehung von Erwachsenen

13:00 Mittagspause

14:00 Kommentar: Prof. Dr. Miriam Rose (Jena) / Schlussdiskussion

15:00 Tagungsende

Konzept:
Prof. Dr. Verena Krieger, Prof. Dr. Andrea Meyer-Fraatz, Prof. Dr. Bernhard Groß
(Friedrich-Schiller-Universität Jena), Michael Lüthy (Bauhaus-Universität Weimar)

Tagungsort:
Friedrich-Schiller-Universität Jena, Senatssaal im Universitäts-Hauptgebäude, Fürstengraben 1

Anmeldung und Information:
Die Teilnahme ist kostenlos. Anmeldung unter kunstgeschichte@uni-jena.de.